Zur Seite geschaut: Der Bildungscomputer A5105 und der Lerncomputer LC80
von Ralf Däubner
Der Bildungscomputers A5105
Der BIC ist einer der wenigen aus dem Hause Robotron, der von allem etwas hatte, aber nie richtig kompatibel war. Da dieser vorrangig für dem Informatik-Unterricht an den Schulen entwickelt wurde, war dies aber auch nicht notwendig. Für die Ausbildung zum CNC-Programmierer und zum Umgang mit WORDSTAR und DBASE war dieser völlig ausreichend, fanden sich an dem zukünftigen Arbeitsplätzen in dem Betrieben doch andere Computer (PC1715 usw.). Immerhin war er nach heutigen Gesichtspunkten virenresistent, weil SCP und RBASIC im ROM fest eingebaut waren.
SCP und RBASIC ist fest eingebaut, unabhängig ob die DSE (Diskettenspeichereinheit) vorhanden ist oder nicht. Das SCP wird mit einem 0-Byte-File gestartet. Sollte sich keines auf der Diskette finden oder ist keine Diskette vorhanden, so wird das RBASIC gestartet. Die parallelen Schnittstellen sind im BASIC sehr gut dokumentiert. Es gibt Grafik- und Sound-Befehle. Das BASIC ist aber mehr für das Erstellen von Datenbanken geeignet. Als Besonderheit findet sich ein ONSREEN EDITOR (c64 basic v2; c128 basic v7). Da das BASIC auch gleichzeitig als Oberfläche verwendet wird, sind einige Disketten-Befehle vorhanden. Zum Beispiel entspricht FILES dem bekannteren DIR (KC compact: CAT). Im gewissen Umfang wird auch der Grafik-Chip durch das BASIC unterstützt.
Der Computer bildet eine mechanische Einheit mit der Tastatur. Als Umhüllung findet sich ein nicht gerade unbekanntes Gehäuse (D005, KC compact). Als Serien-Erweiterung kam eine DSE zum Einsatz, deren Gehäuse aus Stahlblech besteht. In dieser DSE waren neben dem Netzteil diverse Hardware-Erweiterungen (PIO 2, SIO, FDC nebst Floppy, Netzwerkkarte und CTC) untergebracht. Als Monitor kam ein Standard-Bildschirm zum Einsatz, ein zweiter Farbmonitor konnte parallel betrieben werden. Herausgeführt wurden 2 PIO, 2 SIO, Floppy, AV-Ausgang, Mono und der Rechnerbus. Mechanisch war der Computer mit der DSE mit Hilfe von zwei Schienen fest verbunden. Im Rechner selbst fanden sich zwei Custom-Chips, um dem Platzbedarf zu verringern, sowie der Grafik-Chip (allerdings meist als eine der “West-Varianten“). Das Netzteil, das auch den Monitor mit 12 V versorgt, nahm in der DSE den meisten Platz ein.
Bild 17: Dieses Exemplar des Bildungscomputers A5105 war auf dem Clubtreffen 2005 zu sehen.
Da dieser ungewöhnliche Computer für Sammler interessant ist, soll es noch einige Bemerkungen meinerseits geben. Ungewöhnlich für Ostrechner ist der ONSCREEN-Editor (eine sonst nur auf Commodores zu findende Geschichte), der Befehlsumfang reicht weit über die Hardware hinaus (Soundbefehl). Die PIO-Schnittstellen sind kompatibel zum KC87 aus dem gleichen Hause. Offensichtlich war noch eine Sounderweiterung geplant. Als Konkurrenz zur der sich inzwischen etablierten KC-Reihe aus Mühlhausen war dieser nicht geplant. Gegen das offene Konzept der Mühlhausener hatten es aber alle kleinen ROBOTRONer schwer. Vielleicht war es auch der Versuch, sich gegen die Intershop-Computer (C=, Atari) zu behaupten, so finden sich doch einige Merkmale diverser West-Computer wieder. Obwohl der Grafik-Chip nie richtig ausgenutzt wurde, lassen sich doch einige anspruchsvolle Demos schon in RBASIC programmieren. Da dieser Chip so selten ist, gibt es leider sehr wenige Anwendungen. Der AY-Chip war auch erst zu Wende-Zeiten einigermaßen greifbar, so daß zur SOUND-Erzeugung auf bewährtes zurückgegriffen werden mußte. Das bestand im wesentlichen aus einem R-2R-AD-Wandler an einer PIO; benutzt wurden fünf Bit. Das führte aber immerhin zu einer Extra-Dokumentation des Soundbefehls. Dank Herrn Zander und dem Internet kann man nicht nur Dokus sondern auch RBASIC-Programme downloaden.
Technische Daten BIC A5105:
Der Lerncomputer LC80
“Der Lerncomputer LC80 ist ein Einkarten-Mikrorechner auf der Basis des Mikroprozessorsystems U880 (Z80). Er dient in erster Linie dem gründlichen Kennenlernen der Bausteine und dem Erlernen der Programmierung im Maschinencode.“
Eine bessere Einführung habe ich bis jetzt in keiner Anleitung gelesen. Ich selbst bin im Besitz eines LC80, der immerhin mit dem Original-Netzteil und den zwei dazugehörigen Anleitungsheften (das Zitat stammt aus der Bedienungsanleitung) relativ vollständig ist.
Also, was ist der LC80? Gut, da haben wir erst mal ein Netzteil, bei dem kein Steckplatz verloren geht. Intern ist das eigentlich nur ein einfacher Trafo ohne Gleichrichter. Das Gehäuse hat halt noch eine Steckdose auf der Oberseite. Der LC80 ist sehr schlicht aufgebaut. Als Gehäuse dient ein brauner Kunstleder-Umschlag, der zum Betrieb geöffnet werden muß, da die Tastatur und die Ausgabeanzeige (3 mal VQE 23 und 2 Status-LED) sonst nicht sichtbar bzw. bedienbar wären.
Hardwaremäßig gab es offensichtlich einige Varianten. Bei meinem Gerät wird die 5V-Betriebsspannung mit einer Grätz-Brücke und einem 7805 aufbereitet, die Takterzeugung paßt noch auf die Hauptplatine. Weiterhin unterscheiden sich die Geräte bei der Bestückung mit einem oder zwei EPROMs. Dieses wird sogar in der Bedienungsanleitung erwähnt wird. Es können aber noch drei EPROMs vom Typ 2716 hinzugefügt werden (ab Adresse 5000h). Ähnlich verhält es sich mit der Ausstattung des Arbeitsspeichers: Meist mit einem KByte ausgestattet, konnten drei KByte (je nach Verfügbarkeit) dazugelötet werden. Generell vorhanden waren zwei PIOs und ein CTC, die allerdings nur mit Einschränkungen frei genutzt werden konnten. Die erste PIO wurde nur für systeminterne Aufgaben genutzt, vier Bits der zweiten PIO ebenfalls, so daß nur 12 Bit vom Nutzer frei verwendet werden konnten. Die Tastatur besteht aus dem Oberteil eines Taschenrechners (MR-Serie SR1), bei dem die LCD-Öffnung mit einer bedruckten Alu-Platte abgedeckt ist. Die Tasten selbst sind nicht bedruckt, dafür die Alublende.
Die Software beschränkt sich auf das wesentliche, BASIC und andere Hochsprachen sind unbekannt. Die Programmierung erfolgt durch die direkte Eingabe des Maschinencodes. Im Handbuch finden sich entsprechende Programme zum Experimentie- ren. Das Betriebssystem ist typisch gut dokumentiert, es gibt sogar richtige Sound-Unterprogramme. Wofür die Startadresse der Begrüßungsmelodie wichtig ist, habe ich noch nicht herausgefunden. Es gibt tatsächlich Anwendungsprogramme und Spiele, als Massenmedium finden Kassette und EPROM Verwendung. Anfang der 90-er Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde sogar ein neues Betriebssystem geschrieben.
Literatur über den LC80 ist sehr spärlich, es gibt drei Broschüren zu diesem Thema. Dagegen findet man im Internet genügend Informationen und Programme für den LC80. Immerhin gibt es nicht nur virtuelle Nachbauten, sondern auch real existierende. Auf diesen Seiten kann man sich auch lustige Anekdoten zur Entwicklung des LC80 zu Gemüte führen.
Fazit: Für Sammler ist der LC80 ein interessantes Stück Technikgeschichte. Man sollte drauf achten, daß die zwei Anleitungen dabei sind. Das Original-Netzteil ist, falls vorhanden, ein Glückstreffer, ansonsten geht jedes Netzteil mit 1 A bei etwa 12 V AC/DC. Für Bastler bietet sich schon durch dem einfachen Aufbau ein interessanter Einblick in die Mikrorechentechnik.
Technische Daten LC80:


